Wie funktioniert ein SIP-Trunk?
Die Telefonanlage im Unternehmen meldet sich mit Zugangsdaten beim Anbieter an. Danach handelt sie jedes Gespräch über das Session Initiation Protocol (SIP) aus: Verbindungsaufbau, Änderungen während des Gesprächs und Auflegen.[1] Die Sprache selbst wird getrennt davon in kleinen Datenpaketen übertragen.
Bevor die Sprache verschickt wird, wandelt ein Codec sie in Daten um. Der verbreitete Codec G.711 arbeitet mit 64 kbit/s; mit den Kopfdaten der Pakete ergibt das rund 87 kbit/s pro Gespräch und Richtung.[2] Am Übergang zwischen Firmennetz und Anbieternetz sorgen Firewall oder ein Session Border Controller dafür, dass nur erlaubte Telefonie-Verbindungen durchkommen.
Zum SIP-Trunk gehört in der Regel ein Rufnummernblock, etwa eine Kopfnummer mit Durchwahlen. Jeder Arbeitsplatz ist so direkt erreichbar, und Anrufe nach außen zeigen die passende Firmennummer an.
Wie viel Bandbreite braucht ein SIP-Trunk?
Bandbreite je Richtung ≈ gleichzeitige Gespräche × 87,2 kbit/s (G.711, 20 ms Paketlänge, Ethernet)[2]
Entscheidend ist nicht die Zahl der Telefone, sondern die Zahl der Gespräche, die zur Spitzenzeit gleichzeitig laufen. Rechnen Sie außerdem Reserve für den übrigen Datenverkehr ein und priorisieren Sie Sprache im Router per Quality of Service (QoS).
Beispiel aus der Praxis
Ein Großhandel mit 25 Arbeitsplätzen führt vormittags bis zu 8 Gespräche gleichzeitig. 8 × 87,2 kbit/s ergeben knapp 0,7 Mbit/s je Richtung. Gebucht werden 10 Kanäle, damit auch an starken Tagen niemand ein Besetztzeichen hört. Der Glasfaseranschluss hat genug Reserve; im Router bekommt die Telefonie Vorrang vor Downloads und Videokonferenzen.
Rufnummern mitnehmen und Notruf
Beim Wechsel des Anbieters müssen Sie Ihre Rufnummern nicht aufgeben. Das Telekommunikationsgesetz verpflichtet Anbieter, auf Antrag die Rufnummer zu übertragen und sie spätestens am folgenden Arbeitstag zu aktivieren. Der Dienst darf beim Wechsel höchstens einen Arbeitstag unterbrochen sein.[3] Eine Festnetznummer für einen festen Standort lässt sich dabei nicht auf einen Dienst ohne festen Standort portieren.[3]
Notrufe über 110 und 112 müssen auch über einen SIP-Trunk kostenlos möglich sein. Der Anbieter muss der Notrufzentrale dabei die Daten übermitteln, die zur Ermittlung des Standorts nötig sind.[4] Prüfen Sie deshalb, ob beim Anbieter die richtige Standortadresse hinterlegt ist, besonders bei mehreren Standorten.
SIP-Trunk vs. Cloud-Telefonanlage
| SIP-Trunk | Cloud-Telefonanlage | |
|---|---|---|
| Was wird ersetzt? | die Leitung zum Anbieter | Leitung und Telefonanlage |
| Wo läuft die Anlage? | im eigenen Haus | im Rechenzentrum des Anbieters |
| Passt, wenn … | eine moderne, VoIP-fähige Anlage vorhanden ist | die Anlage ohnehin ersetzt werden soll |
| Funktionen | bestimmt die eigene Anlage | bestimmt der Anbieter, Updates laufen automatisch |