Was ist VoIP?

VoIP (Voice over IP) ist Telefonie über Datennetze wie das Internet. Die Sprache wird digitalisiert, in kleine Datenpakete zerlegt und über dieselbe Leitung übertragen wie E-Mails oder Webseiten. VoIP hat in Deutschland den früheren analogen und ISDN-Anschluss abgelöst und ist heute die Grundlage jeder modernen Telefonanlage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei VoIP laufen Telefonate über die Internetleitung statt über einen eigenen Telefonanschluss.
  • Das Protokoll SIP baut die Gespräche auf, RTP überträgt die Sprache.
  • Ein Gespräch mit dem Codec G.711 braucht rund 87 kbit/s je Richtung.
  • Für gute Qualität zählen stabile Leitung, wenig Verzögerung und Vorrang für Sprache im Netz.
  • Rufnummern und Notruf funktionieren mit VoIP genauso wie früher.

Wie funktioniert VoIP?

Ein Telefonat über VoIP besteht aus zwei Teilen. Zuerst handeln Telefon und Gegenstelle das Gespräch aus: wer ruft wen an, welcher Codec wird genutzt, wann wird aufgelegt. Dafür ist das Session Initiation Protocol (SIP) zuständig.[1] Danach fließt die Sprache in Datenpaketen über das Real-time Transport Protocol (RTP), das für Echtzeitdaten wie Audio und Video gemacht ist.[2]

Ein Codec wandelt die Sprache in Daten um. Der verbreitete Codec G.711 arbeitet mit 64 kbit/s; mit den Kopfdaten der Pakete sind es rund 87 kbit/s pro Gespräch und Richtung.[3] Ein Glasfaser- oder guter DSL-Anschluss trägt damit viele Gespräche gleichzeitig.

Was VoIP im Unternehmen braucht

BausteinWofür
Internetanschlussausreichend Upload, denn Sprache fließt in beide Richtungen
SIP-Trunk oder Cloud-TelefonanlageVerbindung ins öffentliche Telefonnetz mit Ihren Rufnummern
Router mit QoSgibt Sprachpaketen Vorrang vor Downloads und Videos
IP-Telefone oder SoftphonesEndgeräte am Schreibtisch, am PC oder auf dem Handy
Firewall-Regelnlassen nur die nötigen Telefonie-Verbindungen durch

Was die Sprachqualität bestimmt

Bei VoIP ist nicht die Bandbreite allein entscheidend, sondern wie gleichmäßig die Pakete ankommen. Schwanken die Laufzeiten (Jitter) oder gehen Pakete verloren, klingt das Gespräch abgehackt oder hallt. Häufige Ursachen sind ein ausgelasteter Upload, schwaches WLAN oder ein Router ohne Vorrang für Sprache. Mit QoS im Router und Telefonen am Kabel statt im WLAN ist das meist behoben.

Beispiel aus der Praxis

Eine Zahnarztpraxis mit sechs Arbeitsplätzen stellt von ihrem alten Anschluss auf VoIP um. Zur Spitzenzeit laufen vier Gespräche gleichzeitig, also rund 0,35 Mbit/s je Richtung. Der Glasfaseranschluss hat genug Reserve. Trotzdem knackt es anfangs, wenn nebenbei Röntgenbilder in die Cloud hochgeladen werden. Nachdem der Router Sprache Vorrang gibt, ist das Problem verschwunden.

VoIP vs. Festnetz alter Art

Analog / ISDNVoIP
Leitungeigene TelefonleitungInternetanschluss
Gleichzeitige Gesprächedurch Kanäle begrenzt (ISDN: 2 je Basisanschluss)frei buchbar, nur durch Bandbreite begrenzt
Standortbindungfest an den AnschlussTelefon funktioniert überall mit Internet
Stromausfallanalog teils weiter nutzbarRouter und Telefone brauchen Strom

Kurz gesagt

VoIP ist Telefonie über Datennetze. SIP baut die Gespräche auf, RTP überträgt die Sprache, ein Codec bestimmt die Bandbreite. Für gute Qualität braucht es ausreichend Upload, Vorrang für Sprache im Router und eine saubere Firewall-Konfiguration.

Weiterlesen: VoIP oder Festnetz?, VoIP-Telefonie für Unternehmen richtig planen, Telefonanlage auf VoIP umstellen

Häufige Fragen

Brauche ich für VoIP einen besonderen Internetanschluss?

Nein, aber genug Upload. Ein Gespräch mit G.711 belegt rund 87 kbit/s je Richtung; rechnen Sie mit der Zahl gleichzeitiger Gespräche plus Reserve.[3]

Kann ich meine Rufnummern behalten?

Ja. Rufnummern lassen sich beim Wechsel zu einem VoIP-Anbieter mitnehmen. Eine Festnetznummer bleibt dabei an einen festen Standort gebunden.[4]

Funktioniert der Notruf über VoIP?

Ja. Notrufe über 110 und 112 müssen kostenlos möglich sein, und der Anbieter muss die Daten zur Standortermittlung übermitteln.[5]

Was passiert bei einem Stromausfall?

Router, Telefonanlage und IP-Telefone brauchen Strom. Eine USV für Router und Switch oder eine Umleitung auf Mobilnummern hält die Erreichbarkeit aufrecht.

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Quellen

Für Fakten nutzen wir Primärquellen: Gesetze, Behörden, Normen und Herstellerangaben.

  1. Internet Engineering Task Force: RFC 3261 – SIP: Session Initiation Protocol, Juni 2002. Abgerufen am 02.11.2026.
  2. Internet Engineering Task Force: RFC 3550 – RTP: A Transport Protocol for Real-Time Applications, Juli 2003. Abgerufen am 02.11.2026.
  3. Cisco: Voice over IP – Bandbreitenverbrauch pro Anruf. Abgerufen am 02.11.2026.
  4. § 59 Telekommunikationsgesetz – Anbieterwechsel und Rufnummernmitnahme, Abs. 5. Abgerufen am 02.11.2026.
  5. § 164 Telekommunikationsgesetz – Notruf, Abs. 1. Abgerufen am 02.11.2026.