Was ist eine IT-Risikoanalyse?

Eine IT-Risikoanalyse ist die systematische Bewertung, welche Bedrohungen die Informationen und IT-Systeme eines Unternehmens treffen können, wie wahrscheinlich sie sind und welchen Schaden sie verursachen würden. Das Ergebnis ist eine nach Dringlichkeit geordnete Liste von Risiken mit Entscheidungen, ob sie vermieden, verringert, übertragen oder bewusst getragen werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Risikoanalyse bewertet Bedrohungen nach Wahrscheinlichkeit und Schaden.
  • Ergebnis: priorisierte Risiken und Entscheidungen zur Behandlung.
  • Behandlung: vermeiden, verringern, übertragen oder akzeptieren.
  • Grundlage für Sicherheitskonzept und Budget.
  • Unter NIS2 Pflicht, für alle anderen dringend empfohlen.

Wozu sie dient

Das BSI beschreibt mit dem Standard 200-3 ein praxisnahes Vorgehen, mit dem Organisationen ihre Informationssicherheitsrisiken angemessen und gezielt steuern können.[1] Für Unternehmen unter NIS2 sind Konzepte zur Risikoanalyse ausdrücklich Teil der Pflichtmaßnahmen.[2]

Ablauf

  1. Werte erfassen: Welche Prozesse, Daten und Systeme sind wichtig?
  2. Bedrohungen sammeln: Ransomware, Phishing, Hardwareausfall, Brand, Fehlbedienung, Ausfall eines Dienstleisters.
  3. Bewerten: Wie wahrscheinlich ist das, wie groß wäre der Schaden?
  4. Einordnen: in eine Risikomatrix.
  5. Behandeln: Maßnahmen festlegen oder Risiko bewusst akzeptieren.
  6. Wiederholen: regelmäßig und nach Änderungen.

Risikomatrix (vereinfacht)

Wahrscheinlichkeit \ Schadengeringmittelhoch
hochmittelhochsehr hoch
mittelgeringmittelhoch
geringgeringgeringmittel

Vier Wege, mit Risiken umzugehen

WegBeispiel
Vermeidenveralteten Fernzugang abschalten
VerringernMFA einführen, Backup mit Offline-Kopie
ÜbertragenCyberversicherung, Dienstleister mit SLA
Akzeptierengeringes Restrisiko bewusst tragen, dokumentiert

Beispiel aus der Praxis

Eine Steuerkanzlei führt mit ihrem Dienstleister eine Risikoanalyse durch. Ganz oben landen ein Ransomware-Angriff über E-Mail und der Ausfall der Kanzleisoftware während der Abgabefristen. Maßnahmen: MFA, Schulung, unveränderliches Backup und ein Ersatzserver beim Dienstleister. Das Risiko eines Brandes im Serverraum wird durch die Cloud-Kopie verringert; das Restrisiko eines längeren Internetausfalls wird bewusst akzeptiert und mit einer Mobilfunk-Reserve abgefedert.

Kurz gesagt

Eine IT-Risikoanalyse bewertet Bedrohungen nach Wahrscheinlichkeit und Schaden und legt fest, wie mit jedem Risiko umgegangen wird. Sie ist die Grundlage für Sicherheitskonzept und Budget und unter NIS2 Pflicht.

Weiterlesen: IT-Risikoanalyse richtig planen, IT-Sicherheitsanalyse im Mittelstand

Häufige Fragen

Wie oft sollte eine Risikoanalyse gemacht werden?

Mindestens jährlich und nach größeren Änderungen, etwa neuen Systemen, Standorten oder Dienstleistern.

Ist eine Risikoanalyse Pflicht?

Für Unternehmen unter NIS2 ja.[2] Auch die DSGVO verlangt eine risikobasierte Auswahl der Schutzmaßnahmen.

Was ist der Unterschied zum IT-Check?

Der IT-Check prüft den technischen Ist-Stand. Die Risikoanalyse bewertet, welche Bedrohungen wie schwer wiegen.

Gibt es eine Methode dafür?

Ja, zum Beispiel den BSI-Standard 200-3.[1]

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Quellen

Für Fakten nutzen wir Primärquellen: Gesetze, Behörden, Normen und Herstellerangaben.

  1. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: BSI-Standard 200-3: Risikoanalyse auf der Basis von IT-Grundschutz. Abgerufen am 06.11.2026.
  2. § 30 BSI-Gesetz – Risikomanagementmaßnahmen, Abs. 2 Nr. 1. Abgerufen am 06.11.2026.